Schwarz-Weiß-Aufnahme der seitlichen Stirn-, Augenbrauen- und Schläfenregion einer Frau mit natürlicher Hautstruktur

Dynamische und statische Falten: Welche Behandlung passt zu welcher Ursache?

von Dr. med. Stephan Grzybowski, hanseatic-facelift

Autor: Dr. med. Stephan Grzybowski
Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie

Veröffentlicht: Juni 2022
Zuletzt medizinisch überprüft: November 2026

Dynamische und statische Falten können ähnlich erscheinen, entstehen jedoch nicht auf dieselbe Weise. Für die Behandlungsplanung ist deshalb weniger die sichtbare Tiefe einer Linie entscheidend als die Frage, wodurch sie verursacht wird.

Mimische Muskelaktivität, Veränderungen der Hautstruktur, Volumenverlust und eine Absenkung der Gesichtsweichteile können einzeln oder gemeinsam zum Erscheinungsbild beitragen. Erst die Einordnung dieser Ursachen zeigt, welche Behandlung sinnvoll sein kann.

Dynamische und statische Falten: Was unterscheidet sie?

Dynamische Falten entstehen durch die Aktivität mimischer Gesichtsmuskeln. Zieht sich beispielsweise der Stirnmuskel oder die Muskulatur zwischen den Augenbrauen zusammen, wird die darüberliegende Haut verschoben und gefaltet. Solange Haut und Bindegewebe eine hohe Elastizität besitzen, glättet sich die Linie nach Entspannung des Muskels weitgehend wieder.

Typische Beispiele sind horizontale Stirnfalten, Glabellafalten zwischen den Augenbrauen und seitliche Augenfältchen.

Mit zunehmender Hautalterung verliert die Haut an Elastizität und Widerstandsfähigkeit. Eine über Jahre wiederholt beanspruchte Hautregion kann sich dadurch nach Entspannung der Muskulatur zunehmend unvollständig glätten. Eine zunächst nur bei Mimik sichtbare Linie bleibt dann auch in Ruhe erkennbar.

Statische Falten beziehungsweise Furchen sind auch bei entspanntem Gesicht sichtbar. Sie können aus langjähriger mimischer Beanspruchung hervorgehen. Im Mittel- und Untergesicht können jedoch auch Volumenverlust, Veränderungen der Hautstruktur und eine Absenkung tieferer Weichteile wesentlich zu ihrer Entstehung beitragen.

Dynamische und statische Anteile sind deshalb häufig miteinander verbunden. Dieselbe Falte kann beide Komponenten besitzen.

Warum ist diese Unterscheidung für die Behandlung wichtig?

Eine bei Muskelanspannung deutlich zunehmende Falte erfordert eine andere Behandlungsstrategie als eine Furche, die unabhängig von der Mimik durch Volumenverlust oder abgesunkenes Gewebe entsteht.

Für die Behandlungsplanung sollte das Gesicht deshalb sowohl in Ruhe als auch bei gezielter Mimik beurteilt werden.

Besonders wichtig ist dies an der Stirn.

Der Stirnmuskel erzeugt bei seiner Kontraktion horizontale Stirnfalten. Gleichzeitig hebt er die Augenbrauen an. Stehen die Brauen relativ tief oder besteht ein deutlicher Hautüberschuss an den Oberlidern, kann der Stirnmuskel unbewusst stärker eingesetzt werden, um die Augenbrauen anzuheben.

Eine ausgeprägte Stirnaktivität ist dann nicht nur Ursache sichtbarer Stirnfalten, sondern übernimmt zugleich eine kompensatorische Funktion.

Wird der Muskel in dieser Situation zu stark abgeschwächt, kann die Brauenposition absinken und der Hautüberschuss am Oberlid deutlicher hervortreten.

Eine sorgfältige Behandlung beginnt deshalb nicht mit der Frage, wo eine Falte sichtbar ist, sondern wodurch sie entsteht und welche Funktion die beteiligten Strukturen übernehmen.

Welche Behandlung passt zu welchem Faltentyp?

Die folgende Übersicht dient der Orientierung. Entscheidend ist nicht allein, ob eine Falte dynamisch oder statisch ist, sondern welche anatomische Ursache im Vordergrund steht.

TherapieformKlinische Bedeutung bei dynamischen und statischen Falten
Botulinumtoxin Typ AWirkprinzip: reduziert vorübergehend die Aktivität ausgewählter mimischer Muskeln. Besonders geeignet: bei deutlich bewegungsabhängigen Stirn-, Glabella- oder Augenfältchen. Bei bereits sichtbaren Ruhefalten: kann der noch vorhandene dynamische Anteil vermindert werden. Grenze: strukturell eingeprägte Restlinien oder ein Volumendefizit werden nicht aufgefüllt.
HyaluronsäureWirkprinzip: ergänzt gezielt Volumen und kann Vertiefungen anheben oder Gewebestrukturen unterstützen. Besonders geeignet: wenn eine statische Furche wesentlich durch Volumenverlust oder eine anatomische Vertiefung entsteht. Bei dynamischen Falten: die Muskelaktivität bleibt unbeeinflusst. Grenze: zusätzliches Volumen ist ungeeignet, wenn vor allem Gewebeabsenkung oder Muskelaktivität den Befund bestimmen.
Kollagen-Biostimulatoren, z. B. PLLA oder CaHAWirkprinzip: regen die Neubildung von Kollagen und eine strukturelle Erneuerung des Bindegewebes an. Mögliche Gewebewirkung: Haut und Unterhaut können im Verlauf fester, dichter und elastischer werden; feine Falten und nachlassende Gewebequalität können sich verbessern. Besonders geeignet: bei nachlassender Gewebefestigkeit und struktureller Hautalterung. Grenze: keine unmittelbare Auffüllung einer einzelnen Falte und kein Ersatz für Botulinumtoxin oder eine operative Geweberepositionierung.
Polynukleotide (PN) / PDRNWirkprinzip: regenerative Behandlung der Haut mit aufbereiteten DNA-Bausteinen unterschiedlicher Länge. Besonders geeignet: wenn feine Fältchen und verminderte Hautqualität im Vordergrund stehen. Bei dynamischen Falten: keine direkte Wirkung auf den Muskel. Grenze: bislang kleinere und heterogenere klinische Evidenz als bei etablierten Injektionsverfahren.
Skinbooster und andere hautqualitätsorientierte VerfahrenWirkprinzip: Verbesserung vor allem von Hydratation und oberflächlicher Hautqualität. Besonders geeignet: bei feinen Linien sowie trockener oder strukturell veränderter Haut. Grenze: ausgeprägte Volumendefizite oder abgesunkene Weichteile werden damit nicht korrigiert.
ExosomenWirkprinzip: winzige, von Zellen freigesetzte Transportbläschen enthalten biologische Signalstoffe, die regenerative Prozesse beeinflussen können. Möglicher Einsatz: Verbesserung verschiedener Parameter der Hautqualität wird derzeit untersucht. Grenze: Präparate und Anwendungen sind noch wenig standardisiert; belastbare Langzeitdaten fehlen.
Operative Verfahren, z. B. FaceliftWirkprinzip: Repositionierung abgesunkener Gesichtsweichteile und Anpassung überschüssiger Haut. Besonders geeignet: wenn Gewebeabsenkung und Hautüberschuss den Befund bestimmen. Grenze: ein Facelift behandelt nicht automatisch jede mimische oder oberflächliche Hautfalte.

Wie wird eine Falte mit dynamischem und statischem Anteil behandelt?

Gerade an Stirn und Glabella besteht häufig keine rein dynamische oder rein statische Veränderung.

Eine Linie kann in Ruhe sichtbar sein und sich bei Muskelanspannung deutlich vertiefen. In dieser Situation ist ein gestuftes Vorgehen besonders sinnvoll.

Zunächst wird der dynamische Anteil behandelt. Mit Botulinumtoxin lässt sich die wiederholte Muskelkontraktion reduzieren, durch die sich die Falte immer wieder vertieft.

Nach vollständigem Wirkeintritt wird erneut beurteilt, welcher Anteil der Linie bestehen bleibt.

Erst dann stellt sich die Frage, ob eine zusätzliche Behandlung der statischen Restfalte erforderlich ist.

Besteht weiterhin eine deutliche Vertiefung, kann in ausgewählten Fällen eine zurückhaltende Behandlung mit Hyaluronsäure erwogen werden. Dabei muss die jeweilige anatomische Region berücksichtigt werden. Insbesondere Fillerbehandlungen im oberen Gesicht gehören aufgrund der dort verlaufenden Gefäße zu den anspruchsvolleren Injektionsbehandlungen und sind keine schematische Ergänzung jeder Botulinumtoxinbehandlung.

Das gestufte Vorgehen verhindert zugleich, dass vorschnell zusätzliches Volumen eingebracht wird, obwohl ein wesentlicher Anteil des Befundes durch Muskelaktivität entstanden ist.

Wann ist Botulinumtoxin sinnvoll?

Botulinumtoxin Typ A vermindert vorübergehend die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel. Der behandelte Muskel kann sich anschließend weniger kräftig zusammenziehen.

Das Verfahren eignet sich vor allem, wenn eine ausgeprägte mimische Aktivität wesentlich zur sichtbaren Falte beiträgt.

Typische Regionen sind Glabella, Stirn und die seitliche Augenregion.

Ziel einer differenzierten Behandlung ist kein bewegungsloses Gesicht. Die Dosierung sollte so gewählt werden, dass störende Überaktivität reduziert wird und eine natürliche Restmimik erhalten bleibt.

Besonders an der Stirn muss die Position der Augenbrauen berücksichtigt werden, weil der Stirnmuskel nicht nur Falten erzeugt, sondern gleichzeitig die Brauen anhebt.

Warum ist Hyaluronsäure nicht die Behandlung jeder statischen Falte?

Eine statische Falte ist zunächst lediglich eine Linie, die auch bei entspanntem Gesicht sichtbar bleibt. Daraus ergibt sich noch keine automatische Indikation für einen Filler.

Hyaluronsäure ist besonders dann geeignet, wenn fehlendes Volumen wesentlich zum sichtbaren Befund beiträgt.

Im Mittelgesicht kann ein Volumenverlust beispielsweise dazu führen, dass Furchen oder Übergänge zwischen benachbarten Gesichtsregionen stärker hervortreten. An anderer Stelle kann eine anatomische Vertiefung oder mangelnde Gewebeunterstützung eine sichtbare Linie verstärken.

Hyaluronsäure kann dort gezielt Volumen ergänzen oder eine Vertiefung anheben.

Anders ist die Situation, wenn eine Furche überwiegend durch abgesunkenes Gewebe entsteht. Wird lediglich zusätzliches Volumen eingebracht, kann das Gesicht voller werden, ohne dass die eigentliche Ursache ausreichend korrigiert wird.

Gerade im Mittel- und Untergesicht ist deshalb die Position und Verteilung des Gewebes häufig wichtiger als die isolierte Tiefe einer einzelnen Falte.

Was können Kollagen-Biostimulatoren leisten?

Biostimulatoren wie Poly-L-Milchsäure (PLLA) oder Calciumhydroxylapatit (CaHA) verfolgen ein anderes Prinzip als klassische Hyaluronsäure-Filler.

Im Vordergrund steht nicht die unmittelbare Auffüllung einer einzelnen Falte. Die Präparate regen vielmehr Zellen des Bindegewebes dazu an, neues Kollagen zu bilden und die umgebende Gewebestruktur neu zu organisieren.

Vereinfacht bedeutet dies: Das behandelte Gewebe kann im Verlauf dichter, fester und elastischer werden. Die Haut kann an Spannkraft gewinnen, feine Falten können weniger ausgeprägt erscheinen und eine nachlassende Gewebequalität kann sich verbessern.

Dieser Effekt entwickelt sich schrittweise über Wochen und Monate und unterscheidet sich damit grundsätzlich vom unmittelbar sichtbaren Volumeneffekt eines klassischen Fillers.

Biostimulatoren können insbesondere dann infrage kommen, wenn nachlassende Gewebefestigkeit und strukturelle Hautalterung einen wesentlichen Anteil des Befundes ausmachen.

Sie ersetzen jedoch weder die Behandlung einer ausgeprägten mimischen Muskelaktivität noch eine operative Repositionierung bei deutlicher Gewebeabsenkung.

Was sind Polynukleotide und PDRN?

Polynukleotide (PN) und Polydeoxyribonukleotide (PDRN) sind aufbereitete Moleküle, die aus DNA bestehen.

DNA ist das Molekül, in dem die Erbinformation unserer Zellen gespeichert ist. Sie setzt sich aus vielen einzelnen Bausteinen, den sogenannten Nukleotiden, zusammen. Bei PN und PDRN werden keine vollständigen Gene verwendet, sondern unterschiedlich lange Ketten beziehungsweise Abschnitte aus diesen DNA-Bausteinen.

PN bestehen typischerweise aus längeren DNA-Ketten, PDRN überwiegend aus kürzeren Fragmenten. Beide Stoffgruppen sind daher miteinander verwandt, aber nicht identisch.

Für Patientinnen und Patienten ist vor allem die therapeutische Einordnung relevant: PN und PDRN sind keine klassischen Filler und sollen nicht in erster Linie Volumen erzeugen.

Untersucht werden vielmehr regenerative Wirkungen auf Hautstruktur, Feuchtigkeitshaushalt, Gewebereparatur und feine Fältchen.

Die bisherigen klinischen Ergebnisse sind interessant. Die wissenschaftliche Datenbasis ist jedoch noch deutlich kleiner als bei Botulinumtoxin oder Hyaluronsäure. Auch Präparate, Dosierungen und Behandlungsprotokolle unterscheiden sich zwischen den vorhandenen Untersuchungen.

PN und PDRN können deshalb als mögliche Behandlungsoption bei Veränderungen der Hautqualität eingeordnet werden – nicht als universelle Therapie statischer Falten.

Was sind Exosomen – und welchen Stellenwert haben sie derzeit?

Exosomen sind winzige, von Zellen freigesetzte Transportbläschen.

Über solche Strukturen können Zellen biologische Signalstoffe an andere Zellen weitergeben. Medizinisch gehören Exosomen zur größeren Gruppe der extrazellulären Vesikel.

In der regenerativen Medizin wird untersucht, ob diese Signalstoffe unter anderem Kollagenbildung, Entzündungsreaktionen und Reparaturprozesse der Haut beeinflussen können.

Erste klinische Untersuchungen zeigen interessante Veränderungen von Hautstruktur, Hydratation, Elastizität und Faltenausprägung.

Die derzeitige Datenlage erlaubt jedoch noch keine Gleichstellung mit etablierten Verfahren.

Ein wesentliches Problem besteht darin, dass sich die untersuchten Produkte hinsichtlich Herkunft, Herstellung, Konzentration und Anwendung teilweise erheblich unterscheiden. Häufig werden Exosomen zudem mit Microneedling, Radiofrequenz-Microneedling oder Laserbehandlungen kombiniert. Dadurch lässt sich nicht immer eindeutig feststellen, welcher Anteil eines beobachteten Effektes tatsächlich auf das Exosomenpräparat zurückzuführen ist.

Exosomen sind damit ein interessantes Feld der regenerativen Medizin. Ihr gegenwärtiger klinischer Stellenwert ist jedoch zurückhaltender zu bewerten als der etablierter Behandlungen mit Botulinumtoxin, Hyaluronsäure oder gut untersuchten Kollagen-Biostimulatoren.

Welche Rolle spielt die Hautqualität?

Nicht jede feine Linie ist Ausdruck eines Volumenverlustes oder einer ausgeprägten Muskelaktivität.

Mit zunehmender Hautalterung verändern sich Kollagenstruktur, Elastizität, Feuchtigkeitshaushalt und Oberflächenbeschaffenheit. Chronische UV-Exposition beschleunigt diese Prozesse zusätzlich.

Bei feinen oberflächlichen Linien kann deshalb die Haut selbst das eigentliche Behandlungsziel sein.

Je nach Befund kommen unterschiedliche Strategien infrage. Skinbooster können vor allem Hydratation und bestimmte Eigenschaften der Haut verbessern. Biostimulatoren zielen stärker auf Kollagenneubildung und strukturelle Gewebequalität. PN beziehungsweise PDRN werden als regenerative Ansätze eingesetzt.

Diese Verfahren sind nicht austauschbar.

Vor einer Behandlung sollte deshalb möglichst genau definiert werden, welches Problem verbessert werden soll: Feuchtigkeitsverlust, feine oberflächliche Fältchen, verminderte Elastizität, nachlassende Gewebefestigkeit oder ein tatsächliches Volumendefizit.

Wann reichen Injektionsbehandlungen nicht mehr aus?

Mit zunehmender Gesichtsalterung verändert sich nicht nur die Haut. Auch tiefere Weichteile können ihre Position verändern.

An Wangen, Kieferlinie und Hals entstehen dadurch Veränderungen, die sich mit zusätzlichem Volumen oder einer Verbesserung der Hautqualität nur begrenzt beeinflussen lassen.

Wenn eine deutliche Absenkung der Gesichtsweichteile das Erscheinungsbild bestimmt, hat ein Facelift eine grundsätzlich andere Aufgabe als Botulinumtoxin, Hyaluronsäure oder regenerative Verfahren.

Bei einem Facelift werden abgesunkene Gewebeschichten operativ repositioniert und überschüssige Haut angepasst.

Ein Facelift beseitigt allerdings nicht automatisch jede feine Oberflächenfalte. Hautqualität, mimische Aktivität, Volumenverteilung und Gewebeabsenkung bleiben unterschiedliche Ebenen der Gesichtsalterung.

Gerade deshalb ist die richtige Zuordnung des Befundes so wichtig.

Wie lassen sich verschiedene Behandlungen sinnvoll kombinieren?

Viele Gesichter zeigen gleichzeitig Veränderungen auf mehreren Ebenen.

Eine Kombination verschiedener Verfahren kann deshalb sinnvoll sein. Sie sollte jedoch nicht nach dem Prinzip erfolgen, möglichst viele Methoden gleichzeitig einzusetzen.

Bei einer Falte mit deutlicher mimischer Komponente sollte zunächst die Muskelaktivität behandelt werden. Nach Wirkeintritt des Botulinumtoxins lässt sich besser beurteilen, welche statische Linie tatsächlich verbleibt.

Erst anschließend wird entschieden, ob zusätzlich Volumen ergänzt oder die Hautqualität behandelt werden sollte.

Bei anderen Befunden steht dagegen ein Volumenverlust oder eine Absenkung der Weichteile im Vordergrund. Dann muss die Reihenfolge entsprechend anders geplant werden.

Eine gute Kombinationstherapie entsteht daher nicht aus einem festen Behandlungspaket, sondern aus einer nachvollziehbaren Reihenfolge anatomischer Behandlungsziele.

Meine persönliche fachärztliche Einschätzung

Bei der Beurteilung einer Gesichtsfalte interessiert mich zunächst nicht, welches Präparat dafür infrage kommen könnte. Zuerst muss geklärt werden, wodurch die sichtbare Veränderung entsteht.

Ich untersuche deshalb das Gesicht in Ruhe und bei gezielter Mimik.

Im Stirnbereich beurteile ich nicht nur die Tiefe horizontaler Linien. Ich achte darauf, wie ausgeprägt die Aktivität des Stirnmuskels ist, wie sich die Augenbrauen dabei bewegen und ob der Muskel möglicherweise verstärkt eingesetzt wird, weil die Brauen relativ tief stehen oder an den Oberlidern ein Hautüberschuss besteht.

Bei einer in Ruhe sichtbaren Falte prüfe ich, ob sie sich bei Muskelaktivität weiter vertieft. Besteht ein deutlicher dynamischer Anteil, behandle ich diesen in der Regel zuerst. Erst nach Wirkeintritt lässt sich zuverlässig beurteilen, ob eine zusätzliche Behandlung der verbleibenden statischen Linie überhaupt erforderlich ist.

Im Mittel- und Untergesicht verschiebt sich die Fragestellung. Dort können Volumenverlust und die Position der Gesichtsweichteile wesentlich wichtiger sein als die einzelne Falte selbst.

Bei feinen oberflächlichen Linien wiederum kann die Hautqualität im Vordergrund stehen. In solchen Situationen halte ich es für wenig sinnvoll, jede Linie unmittelbar mit einem Filler zu behandeln. Je nach Befund können eine gezielte Verbesserung der Hautqualität oder eine Biostimulation schlüssiger sein.

Biostimulatoren sowie PN beziehungsweise PDRN haben dabei unterschiedliche Aufgaben und sollten nicht als austauschbare „Regenerationsbehandlungen“ betrachtet werden.

Exosomen bewerte ich derzeit zurückhaltender. Die biologischen Konzepte sind interessant, und erste klinische Ergebnisse rechtfertigen weitere Forschung. Für eine Gleichstellung mit etablierten Verfahren fehlen jedoch noch Standardisierung und ausreichend belastbare Langzeitdaten.

Mein Ziel ist nicht ein möglichst faltenfreies Gesicht. Entscheidend ist vielmehr, welche Veränderung tatsächlich zum gealterten oder müden Erscheinungsbild beiträgt und wie sie behandelt werden kann, ohne Proportionen und natürliche Mimik unnötig zu verändern.

Häufige Fragen zu dynamischen und statischen Falten

Welche Rolle spielt das Lebensalter bei der Wahl der Faltenbehandlung?

Das Lebensalter allein entscheidet nicht darüber, welche Behandlung sinnvoll ist.

Bei zwei gleichaltrigen Menschen können Hautqualität, Muskelaktivität, Volumenverteilung und Gewebeabsenkung sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Umgekehrt kann eine jüngere Patientin bereits deutlich lichtgeschädigte Haut oder ausgeprägte mimische Linien aufweisen, während bei einer älteren Patientin andere Veränderungen im Vordergrund stehen.

Für die Behandlungsplanung ist deshalb der anatomische Befund aussagekräftiger als das Geburtsdatum.

Können vorhandene Gesichtsasymmetrien die Faltenbehandlung beeinflussen?

Ja.

Gesichter sind natürlicherweise nicht vollkommen symmetrisch. Augenbrauen können unterschiedlich hoch stehen, mimische Muskeln unterschiedlich kräftig arbeiten und auch Volumen und Gewebeverteilung können sich zwischen beiden Gesichtshälften unterscheiden.

Solche Unterschiede sollten bereits vor einer Behandlung erfasst werden. Insbesondere bei Botulinumtoxin können bestehende muskuläre Asymmetrien für Dosierung und Injektionspunkte relevant sein.

Ziel sollte dabei nicht zwangsläufig eine mathematische Symmetrie sein, sondern ein ausgeglichener und natürlicher Gesamteindruck.

Warum sind Behandlungen um Augen und Mund besonders anspruchsvoll?

In beiden Regionen liegen Haut, Muskulatur und funktionell wichtige Strukturen auf engem Raum zusammen.

Die Muskulatur um die Augen ist nicht nur für die Mimik, sondern auch für den Lidschluss wichtig. Rund um den Mund beeinflussen Muskeln neben dem Gesichtsausdruck auch Lippenbewegung, Sprechen und Mundschluss.

Schon vergleichsweise kleine Veränderungen der Muskelaktivität oder des Volumens können deshalb in diesen Regionen stärker auffallen als an anderen Stellen des Gesichts.

Die Behandlung erfordert entsprechend eine besonders genaue anatomische Beurteilung und zurückhaltende Dosierung.

Welche Informationen zu früheren Filler- oder Biostimulatorbehandlungen sind für eine neue Behandlung wichtig?

Hilfreich sind möglichst genaue Angaben zum verwendeten Präparat, zur behandelten Region, zur ungefähren Menge und zum Zeitpunkt der Injektion.

Gerade bei mehrfach vorbehandelten Gesichtern können noch vorhandene Materialien oder bereits ausgelöste Veränderungen der Gewebestruktur die Kontur und damit auch die weitere Behandlungsplanung beeinflussen.

Wenn Produktname oder Menge nicht mehr bekannt sind, sollte dies bei der Untersuchung ausdrücklich berücksichtigt werden.

Lassen sich Hyaluronsäure und Kollagen-Biostimulatoren gleichermaßen wieder entfernen?

Nein.

Hyaluronsäure kann mit dem Enzym Hyaluronidase gezielt abgebaut werden. Wie vollständig und wie schnell dies gelingt, hängt unter anderem vom verwendeten Präparat, der eingebrachten Menge und der anatomischen Region ab.

Für Kollagen-Biostimulatoren wie PLLA oder CaHA steht keine vergleichbare enzymatische Auflösung zur Verfügung.

Dieser Unterschied ist relevant, weil eine biostimulierende Behandlung teilweise über körpereigene Veränderungen des Gewebes wirkt und deshalb bereits vor der Behandlung besonders sorgfältig geplant werden sollte.

Wann kann eine statische Falte bewusst unbehandelt bleiben?

Nicht jede sichtbare Linie muss korrigiert werden.

Eine Falte kann zur natürlichen Mimik und zum individuellen Gesichtsausdruck gehören, ohne das Gesicht tatsächlich älter oder ungünstiger erscheinen zu lassen.

Auch wenn eine Behandlung technisch möglich wäre, sollte deshalb geprüft werden, ob sie den Gesamteindruck tatsächlich verbessert. Ist der zu erwartende Nutzen gering oder könnte die Korrektur natürliche Proportionen verändern, kann der bewusste Verzicht auf eine Behandlung die sinnvollere Entscheidung sein.

Persönliche Beratung bei Hanseatic Facelift

Eine sinnvolle Faltenbehandlung beginnt nicht mit der Auswahl eines Präparates, sondern mit der Analyse der Ursache.

Im persönlichen Beratungsgespräch beurteile ich deshalb Muskelaktivität, Hautqualität, Volumenverteilung, Augenbrauenposition und mögliche Gewebeabsenkungen gemeinsam.

Daraus ergibt sich, ob Botulinumtoxin, Hyaluronsäure, ein Kollagen-Biostimulator, PN beziehungsweise PDRN, eine andere Behandlung der Hautqualität, eine operative Korrektur oder bewusst keine Behandlung sinnvoll ist.

Neuere regenerative Verfahren wie Exosomen bewerte ich nach demselben Grundsatz: Nicht die Neuheit einer Methode entscheidet über ihren Stellenwert, sondern die Qualität der wissenschaftlichen Evidenz und ihre Eignung für den individuellen Befund.

Eine persönliche Beratung ist in Hamburg und Pinneberg möglich.

Dr. med. Stephan Grzybowski
Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie

Telefon: 040 22 85 44 97
E-Mail: info@hanseatic-facelift.de

Medizinischer Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen medizinischen Information und ersetzt keine persönliche fachärztliche Untersuchung oder individuelle Behandlungsplanung.

Botulinumtoxin Typ A ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Indikation, Dosierung, Injektionspunkte, mögliche Gegenanzeigen und Risiken müssen individuell ärztlich beurteilt werden.

Auch Hyaluronsäure-Filler, Kollagen-Biostimulatoren, PN beziehungsweise PDRN, regenerative Verfahren und operative Eingriffe besitzen spezifische Risiken und erfordern eine sorgfältige Indikationsstellung.

Für neuere Verfahren wie Exosomen ist die klinische Evidenz bislang weniger etabliert als für langjährig angewandte Behandlungsmethoden.

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