Autor: Dr. med. Stephan Grzybowski
Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie
Veröffentlicht: Oktober 2023
Zuletzt medizinisch überprüft: September 2026
Silikonpflaster zur Narbenpflege werden nach plastisch-chirurgischen Eingriffen häufig eingesetzt, um die Narbenreifung zu unterstützen. In den ersten Wochen nach einer Operation können sie gerötet, fester oder leicht erhaben sein, bevor sie im weiteren Verlauf meist flacher, weicher und unauffälliger werden. Dieser Reifungsprozess verläuft jedoch nicht bei jedem Patienten gleich.
Bei einer überschießenden Narbenbildung kann sich eine hypertrophe Narbe entwickeln. Sie ist verdickt und erhaben, bleibt aber innerhalb der ursprünglichen Wundgrenzen. Ein Keloid wächst dagegen über diese Grenzen hinaus und weist ein anderes biologisches Verhalten auf.
Silikonpflaster zur Narbenpflege und Silikongel gehören seit vielen Jahren zu den etablierten nichtinvasiven Möglichkeiten der Narbenbehandlung. Sie werden insbesondere bei einem erhöhten Risiko für hypertrophe Narben sowie bei bereits verdickten, geröteten oder symptomatischen Narben eingesetzt. Die wissenschaftliche Datenlage spricht für einen möglichen Nutzen, ist allerdings weniger eindeutig, als es manche Produktversprechen vermuten lassen. Insbesondere die Qualität vieler älterer Studien ist begrenzt.
Wie entwickelt sich eine Narbe?
Nach dem Verschluss einer Wunde beginnt ein komplexer Umbauprozess. Zunächst wird neues Bindegewebe gebildet, anschließend werden Kollagenfasern über Monate reorganisiert und teilweise wieder abgebaut. Farbe, Festigkeit, Elastizität und Höhe einer Narbe können sich dadurch noch lange nach dem eigentlichen Wundverschluss verändern.
Eine zunächst gerötete oder etwas festere Narbe ist deshalb nicht automatisch krankhaft. Entscheidend ist die weitere Entwicklung. Wird eine Narbe zunehmend wulstig, sehr fest, juckend oder schmerzhaft oder wächst sie über die ursprüngliche Schnittlinie hinaus, sollte sie ärztlich beurteilt werden.
Hypertrophe Narbe oder Keloid – worin liegt der Unterschied?
Eine hypertrophe Narbe entsteht durch eine überschießende Bindegewebsbildung innerhalb der ursprünglichen Wundgrenzen. Sie kann gerötet, verdickt, fest oder juckend sein und sich im weiteren Verlauf teilweise wieder zurückbilden.
Ein Keloid überschreitet dagegen die Grenzen der ursprünglichen Verletzung und kann auch nach abgeschlossener Wundheilung weiterwachsen. Keloide neigen stärker zu Rezidiven und erfordern häufig ein umfassenderes Behandlungskonzept.
Für die Therapie ist diese Unterscheidung wesentlich. Während Silikon bei hypertrophen Narben und zur Unterstützung der Narbenreifung häufig eingesetzt wird, reicht es bei ausgeprägten Keloiden allein oft nicht aus.
Wie wirken Silikonpflaster auf Narben?
Die genaue Wirkweise von Silikon ist nicht vollständig geklärt. Als ein wesentlicher Mechanismus gilt die Veränderung des Feuchtigkeitsmilieus an der Narbenoberfläche. Besonders Silikonfolien können den transepidermalen Wasserverlust reduzieren und dadurch die Hydratation der Hornschicht beeinflussen.
Welche biologischen Prozesse daraus im Einzelnen folgen, ist bislang nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden unter anderem Veränderungen der Kollagenorganisation sowie mögliche Auswirkungen auf Rötung, Dicke, Festigkeit und Beschwerden einer Narbe.
Für die praktische Behandlung ist deshalb vor allem entscheidend, wie sich eine Narbe unter der Therapie tatsächlich entwickelt.
Systematische Übersichtsarbeiten zeigen Hinweise darauf, dass silikonbasierte Produkte einzelne Narbenparameter verbessern können. Gleichzeitig sind viele Studien klein, methodisch heterogen oder mit einem erhöhten Verzerrungsrisiko verbunden. Die Wirkung sollte daher realistisch und nicht als garantiert dargestellt werden.
Wann kann mit einer Silikonbehandlung begonnen werden?
Silikonpflaster gehören nicht auf eine offene Wunde.
Mit der Anwendung sollte erst begonnen werden, wenn die Wunde vollständig epithelialisiert – also mit neuer Haut verschlossen – und trocken ist. Nässende Stellen, offene Wundbereiche oder Hinweise auf eine Infektion sprechen gegen eine unmittelbare Anwendung.
Wann dieser Zeitpunkt erreicht ist, hängt vom Eingriff und vom Heilungsverlauf ab. Nach unkomplizierter Wundheilung kann eine Silikontherapie häufig relativ früh in der Narbenreifung beginnen. Bei verzögerter Heilung, kleinen Wunddehiszenzen oder irritierter Haut muss entsprechend länger gewartet werden.
Gerade nach größeren plastisch-chirurgischen Eingriffen bietet es sich deshalb an, den Beginn der Silikontherapie bei einer postoperativen Kontrolle festzulegen.
Wie lange sollten Silikonpflaster zur Narbenpflege getragen werden?
Eine für alle Patienten verbindliche Stunden- oder Monatsangabe ist nicht sinnvoll. Eine wissenschaftlich eindeutig belegte optimale tägliche Tragedauer oder Gesamtdauer gibt es bislang nicht.
Silikonfolien werden in klinischen Studien und in der praktischen Anwendung häufig über viele Stunden täglich und über einen längeren Zeitraum eingesetzt. Die verwendeten Schemata unterscheiden sich jedoch erheblich.
Maßgeblich sind Hautverträglichkeit, Körperregion, Haftung des Pflasters, Aktivität der Narbe und die Angaben des jeweiligen Medizinprodukts. Zu Beginn kann eine schrittweise Steigerung der Tragedauer sinnvoll sein. Dadurch lässt sich frühzeitig erkennen, ob die Haut unter der Folie empfindlich reagiert.
Narbenbehandlung ist ohnehin kein kurzfristiger Vorgang. Wenn Silikon eingesetzt wird, erfolgt dies meist über mehrere Wochen bis Monate. Ob eine Fortführung darüber hinaus sinnvoll ist, sollte sich am klinischen Befund und nicht allein am Kalender orientieren.
Silikonpflaster oder Silikongel – welche Form ist geeigneter?
Beide Formen verfolgen dasselbe Grundprinzip, unterscheiden sich jedoch in ihrer praktischen Anwendung.
Silikonpflaster eignen sich besonders für relativ ebene Körperregionen, auf denen sie zuverlässig haften. Sie bilden eine geschlossene Schicht und können – abhängig vom jeweiligen Produkt – mehrfach verwendet werden.
Flüssiges Silikongel lässt sich auf unregelmäßigen, beweglichen oder gut sichtbaren Regionen häufig einfacher anwenden. Es trocknet zu einem dünnen Film und kann beispielsweise an Gesicht, Hals oder Gelenkregionen praktischer sein.
Die vorhandene Literatur zeigt keinen überzeugenden grundsätzlichen Vorteil einer der beiden Formen für jede Situation. In der Praxis sind deshalb vor allem Körperregion, Hautverträglichkeit und Alltagstauglichkeit entscheidend.
Wie wird ein Silikonpflaster richtig angewendet?
Die Narbe sollte vor dem Aufbringen sauber und trocken sein. Das Pflaster wird entsprechend dem Narbenverlauf zugeschnitten; die konkrete Anwendung sollte den Herstellerangaben des jeweiligen Medizinprodukts folgen.
Unter dem Silikon sollte sich keine anhaltende Feuchtigkeit sammeln. Haut und Pflaster müssen regelmäßig gereinigt werden, sofern das Produkt zur Wiederverwendung vorgesehen ist.
Andere Narbenpräparate oder Cremes sollten nicht selbstverständlich gleichzeitig unter einer Silikonfolie angewendet werden. Sie können die Haftung verändern und unter okklusiven Bedingungen die Haut reizen. Ob eine Kombination sinnvoll ist, hängt vom verwendeten Präparat und vom Zustand der Haut ab.
Was tun bei Hautreizung oder Mazeration?
Unter einer Silikonfolie entsteht ein feuchteres Hautmilieu. Bei empfindlicher Haut können dadurch Rötung, Juckreiz, kleinere Irritationen oder eine Mazeration – also ein Aufweichen der obersten Hautschicht – auftreten.
In diesem Fall sollte die Anwendung zunächst unterbrochen werden. Erst wenn sich die Haut vollständig beruhigt hat, kann gegebenenfalls ein erneuter Versuch mit kürzerer Tragedauer erfolgen.
Persistierende Rötungen, nässende Veränderungen, Bläschen oder zunehmende Beschwerden sollten nicht als normale Reaktion auf das Pflaster angesehen werden. Dann ist eine ärztliche Beurteilung sinnvoll.
Kann Silikon eine auffällige Narbenbildung verhindern?
Nicht zuverlässig. Auch eine sorgfältige Narbenpflege kann nicht garantieren, dass eine Narbe später vollkommen unauffällig bleibt.
Die Narbenbildung wird unter anderem von Art und Lage der Operation, der Spannung auf den Wundrändern, der individuellen biologischen Reaktion und möglichen Störungen der Wundheilung beeinflusst.
Silikon kann bei geeigneten Patienten ein Baustein der Narbenprävention sein. Klinisch wird es seit Langem als nichtinvasive Option bei hypertrophen Narben und Keloiden eingesetzt. Systematische Übersichtsarbeiten beurteilen die wissenschaftliche Sicherheit des Effektes allerdings zurückhaltender und weisen auf methodische Schwächen und unterschiedliche Studienprotokolle hin. Beide Aspekte gehören zu einer realistischen Aufklärung.
Wann reicht Silikon allein nicht aus?
Eine auffällige Narbe sollte nicht über Monate ausschließlich mit einem Silikonpräparat behandelt werden, wenn sie trotz Therapie weiter wächst, zunehmend verdickt oder deutliche Beschwerden verursacht.
Für hypertrophe Narben und insbesondere Keloide stehen weitere Verfahren zur Verfügung. Abhängig von Befund, Lokalisation und Narbentyp können beispielsweise intraläsionale Kortikosteroide, 5-Fluorouracil, bestimmte Laserbehandlungen, Drucktherapie oder Kombinationen verschiedener Verfahren infrage kommen.
Bei ausgeprägten Keloiden kann auch eine operative Behandlung Bestandteil eines Gesamtkonzeptes sein. Eine alleinige Exzision ist aufgrund der Rezidivneigung jedoch nicht automatisch ausreichend.
Gerade bei pathologischen Narben ist deshalb häufig ein individuell abgestimmtes, gegebenenfalls multimodales Behandlungskonzept sinnvoller als die ausschließliche Anwendung eines einzelnen Verfahrens.
Silikon ist nur ein Teil der Narbenpflege
Frische Narben reagieren empfindlich auf UV-Strahlung und können sich stärker pigmentieren. Ein konsequenter Lichtschutz gehört deshalb während der Narbenreifung zu einer sorgfältigen Nachbehandlung.
Auch mechanische Spannung kann die Entwicklung einer Narbe beeinflussen. Welche Belastung möglich ist und ob zusätzlich Tape, Kompression oder andere Maßnahmen sinnvoll sind, hängt vom jeweiligen Eingriff ab. Nach einer Bauchdeckenstraffung gelten beispielsweise andere Anforderungen an die postoperative Nachbehandlung als nach kleineren Eingriffen.
Silikon ist damit ein möglicher Baustein der Narbenpflege – nicht deren alleiniger Inhalt. Ausführlicher mit der allgemeinen Entwicklung und Pflege postoperativer Narben beschäftigt sich auch der Beitrag Narben nach einem Mommy Makeover: Heilung, Pflege und realistische Erwartungen.
Meine persönliche fachärztliche Einschätzung
Aus meiner fachärztlichen Sicht werden Silikonpflaster gelegentlich mit Erwartungen eingesetzt, die sie allein nicht erfüllen können. Sie können die Narbenreifung unterstützen und sind aufgrund ihrer geringen Invasivität für viele Patienten eine sinnvolle Maßnahme. Entscheidend ist jedoch, sie zum richtigen Zeitpunkt und bei der richtigen Narbe einzusetzen.
Besonders wichtig ist mir die Unterscheidung zwischen einer normalen frühen Narbenreaktion und einer tatsächlich überschießenden Narbenentwicklung. Nicht jede gerötete oder zunächst etwas festere Operationsnarbe benötigt automatisch eine intensive Behandlung.
Umgekehrt würde ich eine Narbe, die zunehmend erhaben, hart, schmerzhaft oder juckend wird oder über die ursprünglichen Wundgrenzen hinauswächst, nicht über Monate ausschließlich mit Silikon weiterbehandeln. In solchen Situationen beurteile ich lieber frühzeitig, ob zusätzliche Maßnahmen sinnvoll sind.
Narbenbehandlung ist für mich deshalb kein starres Schema. Ich orientiere mich an der Entwicklung der einzelnen Narbe, ihrer Lokalisation und der individuellen Neigung zu einer überschießenden Narbenbildung.
Häufige Fragen zu Silikonpflastern und Narbenpflege
Kann ich ein Silikonpflaster verwenden, sobald die Fäden entfernt wurden?
Nicht zwingend. Entscheidend ist nicht die Fadenentfernung, sondern ob die Wunde vollständig epithelialisiert, trocken und ausreichend stabil ist. Bei noch offenen oder nässenden Stellen sollte kein Silikonpflaster aufgebracht werden.
Muss eine unauffällige Operationsnarbe überhaupt mit Silikon behandelt werden?
Nicht jede Narbe benötigt dieselbe Intensität der Nachbehandlung. Ob Silikon sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Körperregion, der Spannung auf der Narbe, dem bisherigen Heilungsverlauf und dem individuellen Risiko für hypertrophe Narben oder Keloide ab.
Ist eine rote Narbe bereits eine hypertrophe Narbe?
Nein. Eine gewisse Rötung gehört insbesondere in der frühen Phase zur normalen Narbenreifung. Auffälliger sind eine zunehmende Erhabenheit oder Verhärtung, anhaltender Juckreiz oder Schmerzen sowie ein Wachstum über die ursprünglichen Wundgrenzen hinaus.
Warum hält ein Silikonpflaster an manchen Körperstellen schlecht?
Bewegung, Schweiß, Körperbehaarung, Hautfett und stark gekrümmte Körperregionen können die Haftung beeinträchtigen. In solchen Bereichen kann ein Silikongel praktischer sein.
Kann eine ältere Narbe durch Silikon vollständig verschwinden?
Nein. Silikon kann bestimmte Eigenschaften einer Narbe beeinflussen, bestehendes Narbengewebe aber nicht vollständig verschwinden lassen. Bei älteren oder ausgeprägt hypertrophen Narben sollte deshalb kritisch geprüft werden, welchen Effekt eine alleinige Silikonbehandlung noch erwarten lässt.
Was bedeutet es, wenn die Narbe unter dem Pflaster juckt?
Leichter Juckreiz kann sowohl von der Narbe selbst als auch von der Okklusion durch das Pflaster ausgehen. Treten zusätzlich deutliche Rötung, Aufweichung der Haut, Bläschen oder nässende Veränderungen auf, sollte das Pflaster zunächst entfernt werden.
Wann sollte eine auffällige Narbe ärztlich beurteilt werden?
Bei zunehmender Verdickung, anhaltend ausgeprägter Rötung, Schmerzen, starkem Juckreiz oder einem Wachstum über die ursprünglichen Wundgrenzen hinaus ist eine ärztliche Beurteilung sinnvoll. Eine frühzeitige Einordnung erleichtert es, die weitere Behandlung gezielt zu planen.
Persönliche Beratung bei Hanseatic Facelift
Wie eine Operationsnarbe gepflegt werden sollte, hängt von Art und Lokalisation des Eingriffs, dem bisherigen Heilungsverlauf und der individuellen Narbenreaktion ab. Im Rahmen der Nachsorge beurteile ich deshalb nicht nur den Wundverschluss, sondern auch die beginnende Narbenreifung und bespreche, welche Maßnahmen im jeweiligen Stadium sinnvoll sind.
Das gilt insbesondere dann, wenn sich eine Narbe ungewöhnlich verdickt, stärker gerötet bleibt oder Beschwerden verursacht. Die persönliche Beratung und individuelle Behandlungsplanung biete ich an meinen Praxisstandorten in Hamburg und Pinneberg an.
Medizinischer Hinweis
Dieser Beitrag dient der allgemeinen medizinischen Information und kann eine individuelle Untersuchung und Behandlung nicht ersetzen. Beginn, Dauer und Form einer Narbenbehandlung müssen an den jeweiligen Heilungsverlauf angepasst werden.
Silikonpflaster oder Silikongel sollten nicht auf offene, nässende oder infizierte Wunden aufgebracht werden. Bei zunehmender Rötung, Schmerzen, Sekretion oder anderen Auffälligkeiten der Operationswunde sollte eine ärztliche Beurteilung erfolgen.
Medizinische Quellen
- Jiang Q, Chen J, Tian F, Liu Z: Silicone gel sheeting for treating hypertrophic scars. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2021;9(9):CD013357. doi: 10.1002/14651858.CD013357.pub2.
- Tian F, Jiang Q, Chen J, Liu Z: Silicone gel sheeting for treating keloid scars. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2023;1(1):CD013878. doi: 10.1002/14651858.CD013878.pub2.
- Nguyen A, Huynh C, Goh A, Co A, Hassan O, Phan S: A systematic review of the management of postoperative scars with silicone gel-based products in randomized controlled trials. Dermatology Online Journal. 2023;29(4). doi: 10.5070/D329461860.
- Kodumudi V, Gomez-Lara A, Baghchechi M, Gharavi N, Rosenthal A: Postoperative scar treatment modalities: a systematic review of randomized controlled trials. Journal of Cosmetic and Laser Therapy. 2025;27(6–8):207–218. doi: 10.1080/14764172.2025.2605358.
- Antoniou V, Chua KR, Vankayalapati DK, et al.: Fluid silicone gels in the prevention and treatment of hypertrophic scars: a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. European Journal of Dermatology. 2026;36(2):89–101. doi: 10.1684/ejd.2026.5057.
