Autor: Dr. med. Stephan Grzybowski
Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie
Veröffentlicht: August 2023
Zuletzt medizinisch überprüft: September 2026
Wann ist Duschen nach einer plastischen Operation wieder möglich? Die Frage klingt zunächst alltäglich, berührt aber mehrere wichtige Aspekte der chirurgischen Nachbehandlung: den Schutz der frischen Operationswunde, die Art des Wundverschlusses und des Verbandes, eventuell liegende Drainagen und nicht zuletzt die eigene Kreislaufstabilität in den ersten Tagen nach dem Eingriff.
Über viele Jahre wurde empfohlen, Operationswunden möglichst lange vollständig trocken zu halten. Die heutige Datenlage erlaubt eine differenziertere Betrachtung. Bei unkomplizierten, primär verschlossenen Operationswunden kann kurzes Duschen vergleichsweise früh sicher möglich sein.
Das bedeutet jedoch nicht, dass nach jeder plastischen Operation dieselben Regeln gelten. Entscheidend sind das Operationsverfahren, der Wundverschluss, die Verbandversorgung, eventuell vorhandene Drainagen und der individuelle Heilungsverlauf.
Warum ist Duschen vor einer Operation sinnvoll?
Unsere Haut ist natürlicherweise von zahlreichen Mikroorganismen besiedelt. Vor einer Operation soll sie dennoch sauber und frei von oberflächlichen Verunreinigungen sein.
Eine gründliche Dusche am Tag vor oder am Morgen der Operation entfernt Schweiß, Hautschuppen und einen Teil der vorübergehend auf der Haut befindlichen Keime. Internationale Leitlinien empfehlen deshalb eine Ganzkörperreinigung vor operativen Eingriffen.
Eine besonders intensive oder wiederholte antiseptische Körperwäsche lässt sich daraus jedoch nicht generell ableiten.
Normale Seife oder antiseptische Waschlotion?
Antiseptische Waschlotionen gehören in manchen Kliniken und Praxen zu bestimmten präoperativen Hygienekonzepten. Für die allgemeine Körperreinigung vor einer Operation ist jedoch nicht überzeugend belegt, dass sie postoperative Wundinfektionen zuverlässiger verhindern als gewöhnliche Seife.
Die Weltgesundheitsorganisation sieht deshalb sowohl normale als auch antimikrobielle Seife als mögliche Optionen für die präoperative Körperwäsche an.
Für den Patienten bedeutet das: Eine gründliche Dusche ist sinnvoll. Eine spezielle antiseptische Waschlotion ist nicht grundsätzlich erforderlich. Wird für den geplanten Eingriff ein konkretes Waschprotokoll vorgegeben, sollte dieses selbstverständlich befolgt werden.
Was sollte am Operationstag beachtet werden?
Die Körperpflege ist nur ein Teil einer sorgfältigen Vorbereitung auf eine plastisch-ästhetische Operation.
Nach der präoperativen Dusche sollte die Haut sauber und trocken bleiben. Im vorgesehenen Operationsgebiet sollten keine Cremes, Lotionen, Körperöle oder andere kosmetische Hautprodukte mehr aufgetragen werden. Bei Eingriffen im Gesicht gilt dies entsprechend auch für Make-up. Ausführlicher erläutere ich dies im Beitrag Make-up und Hautcremes vor einer Operation.
Eine eigenständige Rasur des Operationsgebietes sollte ohne ausdrückliche Anweisung unterbleiben. Insbesondere eine Nassrasur unmittelbar vor dem Eingriff kann kleinste Hautverletzungen verursachen. Ist eine Haarentfernung erforderlich, erfolgt sie nach dem jeweiligen operativen und hygienischen Protokoll, üblicherweise mit einem elektrischen Clipper.
Für Deodorant, Nagellack, künstliche Nägel, Schmuck oder Piercings können sich die Vorgaben je nach Eingriff und Einrichtung unterscheiden. Maßgeblich sind deshalb die konkreten präoperativen Hinweise des behandelnden Teams.
Bei Operationen an Gesicht, Stirn, Schläfen oder Hals kann es außerdem sinnvoll sein, die Haare am Abend vor oder am Morgen der Operation zu waschen, da eine normale Haarwäsche danach für einige Tage erschwert sein kann.
Wann darf nach einer plastischen Operation wieder geduscht werden?
Für viele unkomplizierte, primär verschlossene Operationswunden stellen etwa 48 Stunden eine sinnvolle allgemeine Orientierung dar.
Die NICE-Leitlinie bewertet Duschen ab diesem Zeitpunkt als sicher. Kontrollierte Untersuchungen zeigen darüber hinaus, dass auch früheres Duschen bei geeigneter Wundsituation nicht mit höheren Raten von Wundinfektionen oder Wundheilungsstörungen verbunden war.
Eine 2024 veröffentlichte Meta-Analyse von elf randomisierten Studien mit insgesamt 2.964 Patienten fand zwischen früherem und späterem Duschen beziehungsweise Baden keine relevanten Unterschiede bei Wundinfektionen, Rötung, Schwellung oder Wunddehiszenz.
Die untersuchten Eingriffe und Wundsituationen waren allerdings unterschiedlich. Daraus lässt sich keine pauschale Freigabe für frühes Duschen nach jedem plastisch-chirurgischen Eingriff ableiten.
Die Ergebnisse sprechen vielmehr dafür, dass eine kurze Dusche bei einer unkomplizierten, unmittelbar verschlossenen Operationswunde frühzeitig sicher möglich sein kann. Die 48-Stunden-Grenze ist dabei keine biologische Schwelle.
Gerade in der Plastischen Chirurgie können größere Operationsflächen, besondere Verbände, Hautkleber, Drainagen oder komplexe Gewebeverlagerungen eine andere Nachbehandlung erfordern. Die individuelle postoperative Anweisung hat deshalb Vorrang vor einer allgemeinen Zeitangabe.
Warum ist Duschen etwas anderes als Baden?
Eine kurze Dusche und ein längerer Aufenthalt in der Badewanne stellen für eine frische Operationswunde unterschiedliche Situationen dar.
Beim Duschen läuft Wasser nur für kurze Zeit über die Haut und anschließend wieder ab. In der Badewanne, im Whirlpool oder beim Schwimmen bleibt die Operationsregion dagegen über längere Zeit feucht beziehungsweise vollständig unter Wasser.
Dabei können die obersten Hautschichten und insbesondere noch empfindliche Wundränder zu viel Feuchtigkeit aufnehmen und aufquellen. Medizinisch wird dies als Mazeration bezeichnet.
Mazerierte Haut verliert einen Teil ihrer mechanischen Widerstandsfähigkeit. Noch nicht vollständig stabilisierte Wundränder werden empfindlicher gegenüber Zug und Reibung; gleichzeitig können Pflaster und Wundverbände auf aufgeweichter Haut schlechter haften.
Hinzu kommt die Barrierefunktion der Haut. Eine intakte Hautoberfläche erschwert das Eindringen von Mikroorganismen. Bei einer frischen Operationswunde ist diese Schutzfunktion ohnehin noch nicht vollständig wiederhergestellt. Zusätzliche Mazeration kann die Widerstandsfähigkeit der oberflächlichen Gewebe weiter vermindern.
Badewasser, Schwimmbecken, Whirlpools und natürliche Gewässer sind zudem nicht steril. Solange eine Wunde noch nicht sicher geschlossen und stabil verheilt ist, bedeutet der längere Wasserkontakt deshalb eine vermeidbare zusätzliche Exposition gegenüber Mikroorganismen.
Das bedeutet nicht, dass ein kurzes Bad zwangsläufig eine Wundinfektion verursacht. Eine kurze Dusche kann jedoch bereits möglich sein, während von Badewanne, Whirlpool und Schwimmen noch abgeraten wird.
Welche Rolle spielt der Verband?
Für die Frage, ob nach einer Operation geduscht werden darf, ist häufig nicht nur die Wunde selbst entscheidend, sondern auch ihre Abdeckung.
Ein dafür vorgesehener wasserfester postoperativer Verband kann während einer kurzen Dusche in vielen Fällen auf der Wunde verbleiben. Voraussetzung ist, dass seine Ränder sicher haften und kein Wasser darunter eindringt.
Ein nicht wasserfester Verband muss dagegen trocken bleiben oder – sofern es das Nachbehandlungskonzept vorsieht – vor dem Duschen entfernt und anschließend erneuert werden.
Ist ein solcher Verband versehentlich vollständig durchnässt, sollte er nicht über längere Zeit feucht auf der Wunde verbleiben. Eingeschlossene Feuchtigkeit kann die Haut aufweichen und die Wundränder zusätzlich belasten.
Für den Patienten sollte deshalb bereits bei der Entlassung eindeutig geklärt sein: Darf mein Verband beim Duschen nass werden, muss er geschützt werden oder wird er anschließend gewechselt?
Was sind Steri-Strips und wie gehe ich damit um?
Steri-Strips sind sterile, selbsthaftende Pflasterstreifen, die quer über eine verschlossene Operationswunde geklebt werden. Sie unterstützen die Adaptation der Wundränder und können die Naht zusätzlich entlasten.
Auch chirurgischer Hautkleber kann den Hautverschluss ergänzen oder bei geeigneten Wunden selbst Bestandteil des Wundverschlusses sein.
Wenn Duschen freigegeben ist, darf Wasser in vielen Fällen vorsichtig darüberlaufen. Pflasterstreifen oder Hautkleber sollten dabei möglichst wenig mechanisch belastet werden.
Nach der Dusche wird die Region mit einem sauberen Handtuch vorsichtig trockengetupft. Bleibt zwischen Pflasterstreifen, in Hautfalten oder unmittelbar an der Wundregion Feuchtigkeit zurück, kann zusätzlich ein Föhn auf Kaltstufe verwendet werden. Dabei sollte ausreichend Abstand zur Haut eingehalten und nur mit einem sanften Luftstrom gearbeitet werden.
Warme oder heiße Föhnluft sollte vermieden werden. Nach einer Operation kann die Oberflächensensibilität vorübergehend vermindert sein – etwa durch Lokalanästhesie, Schwellung oder die operative Beeinträchtigung kleiner sensibler Nervenfasern. Übermäßige Wärme wird dann möglicherweise später oder weniger deutlich wahrgenommen. Dadurch besteht die Gefahr einer unbemerkten thermischen Hautschädigung bis hin zu einer Verbrennung.
Steri-Strips oder Hautkleber sollten nicht eigenständig entfernt werden, solange sie nach dem jeweiligen Nachbehandlungskonzept noch auf der Wunde verbleiben sollen.
Was gilt, wenn noch Drainagen liegen?
Eine pauschale Empfehlung ist hier nicht sinnvoll, denn Drainagen unterscheiden sich deutlich in Aufbau und Funktionsweise.
Eine Penrose-Drainage ist ein offenes, passives Drainagesystem. Wundsekret gelangt über beziehungsweise entlang des Drainageweges nach außen und wird von einem Verband aufgenommen.
Jackson-Pratt- und Redon-Drainagen gehören dagegen zu den geschlossenen Saugdrainagen. Das Wundsekret wird über einen Schlauch in ein geschlossenes Reservoir geleitet; Unterdruck unterstützt die Ableitung.
Mit einer geschlossenen Saugdrainage kann Duschen je nach Operation, Verband und Austrittsstelle möglich sein. Wichtig ist, dass das Drainagesystem geschlossen bleibt, sich keine Verbindung unbeabsichtigt löst und kein Zug auf den Schlauch oder seine Austrittsstelle entsteht.
Das Sammelreservoir sollte deshalb nicht frei am Drainageschlauch herabhängen. Sein Gewicht kann Zug auf die Austrittsstelle übertragen, Schmerzen verursachen und im ungünstigen Fall zu einer teilweisen oder vollständigen Verlagerung der Drainage führen.
Ebenso sollte darauf geachtet werden, dass sich Schlauch und Reservoir nicht voneinander lösen. Bei einem geschlossenen Saugdrainagesystem kann eine solche Diskonnektion den erforderlichen Unterdruck aufheben und die Drainagefunktion beeinträchtigen. Gleichzeitig wird das zuvor geschlossene System nach außen geöffnet.
Wie Drainageschlauch und Reservoir während der Dusche sicher geführt werden sollen, sollte dem Patienten vor der Entlassung konkret gezeigt werden.
Bei einer offenen Penrose-Drainage ist die Situation anders. Da Wundsekret offen in den Verband abgeleitet wird, spielen die Versorgung der Austrittsstelle und ein anschließend trockener, sauberer Verband eine besonders wichtige Rolle.
Ob mit liegender Drainage geduscht werden darf, hängt deshalb von Drainageform, Austrittsstelle, Verband, Operation und Wundverhältnissen ab. Diese Frage sollte vor der ersten Dusche ausdrücklich mit dem Operateur oder dem behandelnden Team geklärt werden.
Wie sollte die erste Dusche nach der Operation aussehen?
Bei der ersten Dusche geht es um normale Körperpflege – nicht darum, die Operationswunde besonders intensiv zu reinigen.
Das Wasser sollte angenehm lauwarm sein. Sehr heißes Wasser erweitert die Hautgefäße und kann insbesondere in den ersten Tagen Kreislaufbeschwerden, Schwindel oder Unwohlsein begünstigen.
Die erste Dusche sollte eher kurz bleiben. Ein kräftiger Wasserstrahl unmittelbar auf die frische Operationsregion ist nicht notwendig.
Die Wunde selbst wird nicht mit Waschlappen, Bürste oder ähnlichen Hilfsmitteln gereinigt. Bei einer zum Duschen freigegebenen, unkomplizierten Operationswunde genügt es in aller Regel, wenn Wasser vorsichtig darüberläuft.
Nach größeren Operationen sollte bei der ersten Dusche eine unterstützende Person anwesend sein. Das kann der Partner, ein Familienmitglied, eine Freundin oder ein Freund sein. Gerade nach längerer Vollnarkose, bei eingeschränkter Beweglichkeit oder unter stärkerer Schmerzmedikation können plötzlich Schwindel oder Kreislaufprobleme auftreten.
Nach größeren körperformenden Eingriffen kann zusätzlich ein Duschhocker sinnvoll sein.
Muss die Operationswunde beim Duschen mit Seife gereinigt werden?
In aller Regel nicht.
Bei einer unkomplizierten, primär verschlossenen Operationswunde genügt es meist, Wasser vorsichtig über die Region laufen zu lassen. Die umgebende Haut kann normal gereinigt werden. Die frische Naht selbst benötigt jedoch keine gezielte Reinigung mit Waschlappen oder Seife.
Eine spezielle Wundbehandlung ist nur dann erforderlich, wenn sie für den jeweiligen Eingriff ausdrücklich vorgesehen wurde.
Was ist nach dem Duschen wichtig?
Nach der Dusche sollte die Operationsregion vollständig trocknen. Mit einem sauberen Handtuch wird die Haut vorsichtig abgetupft, ohne wiederholt über die frische Naht zu streichen.
In Hautfalten, in der Unterbrustfalte oder unter verbliebenen Steri-Strips kann Feuchtigkeit länger bestehen bleiben. Dort kann ergänzend ein Föhn auf Kaltstufe verwendet werden.
Erst wenn Haut und gegebenenfalls vorhandene Verbände trocken sind, sollte postoperative Kompressionskleidung wieder angelegt werden.
Was gilt nach einer Gesichts-, Stirn- oder Halsoperation?
Nach Operationen im Gesicht oder am Hals ist häufig weniger die Körperdusche als die Haarwäsche problematisch.
Nach Facelift-, Stirn- oder Schläfenoperationen können Wunden im behaarten Kopfbereich sowie vor oder hinter den Ohren liegen. Diese Regionen sollten bei den ersten Haarwäschen möglichst wenig mechanisch belastet werden.
Auch die Haltung des Kopfes spielt eine Rolle. Eine Haarwäsche über einem tiefen Waschbecken mit stark nach vorn geneigtem Kopf kann unmittelbar nach größeren Gesichtsoperationen ungünstiger sein als eine kontrollierte Haarwäsche in aufrechter Position.
Wann die Haare wieder regulär gewaschen werden dürfen, richtet sich nach Lage und Versorgung der Operationswunden.
Was gilt nach einer Brustoperation?
Nach Brustvergrößerung, Bruststraffung oder Brustverkleinerung richten sich die Empfehlungen vor allem nach Wundverschluss und Verband.
Ist die Wunde reizlos verschlossen und entsprechend versorgt, kann eine kurze Dusche häufig vergleichsweise früh erfolgen.
Besondere Aufmerksamkeit verdient anschließend die Unterbrustfalte. Dort bleibt Feuchtigkeit leichter zurück. Nach vorsichtigem Trockentupfen kann deshalb gerade in dieser Region die zusätzliche Trocknung mit kühler Föhnluft hilfreich sein.
Was gilt nach Bauchdeckenstraffung oder Bodylift?
Nach einer Bauchdeckenstraffung oder einem Bodylift sind größere Operationsflächen zu berücksichtigen. Gleichzeitig können Beweglichkeit und Kreislauf in den ersten Tagen noch deutlich eingeschränkt sein.
Viele Patienten bewegen sich zunächst leicht gebeugt. Zusätzlich müssen eventuell Drainagen gehandhabt und Kompressionswäsche nach der Bauchdeckenstraffung aus- und wieder angezogen werden.
Die erste Dusche sollte deshalb vorbereitet werden. Handtücher, frische Kleidung und gegebenenfalls das Kompressionsmieder sollten griffbereit liegen. Ein rutschfester Untergrund und bei Bedarf ein Duschhocker erhöhen die Sicherheit.
Bei diesen größeren Eingriffen sollte die erste Dusche nicht allein erfolgen. Eine erwachsene Hilfsperson sollte anwesend sein und bei Bedarf beim Ein- und Aussteigen, beim Umgang mit Drainagen oder beim erneuten Anlegen der Kompressionskleidung unterstützen können.
Wann sind Badewanne, Whirlpool und Schwimmen wieder möglich?
Hier gelten strengere Voraussetzungen als für eine kurze Dusche.
Solange eine Operationswunde noch nicht vollständig geschlossen und stabil verheilt ist, sollte die Operationsregion nicht über längere Zeit unter Wasser bleiben. Eine allgemeine Zwei-Wochen-Regel ist dafür zu ungenau.
Entscheidend ist der tatsächliche Wundzustand: Die Wunde sollte geschlossen und trocken sein, es sollte keine relevante Sekretion oder Wundheilungsstörung bestehen und aus ärztlicher Sicht nichts gegen einen längeren Wasserkontakt sprechen.
Auch Sauna und sehr heiße Bäder sollten nach größeren Operationen erst wieder aufgenommen werden, wenn die frühe Heilungsphase abgeschlossen und die Kreislaufbelastung unproblematisch ist.
Wann sollte eine auffällige Operationswunde ärztlich beurteilt werden?
Nicht jede Veränderung einer frischen Operationswunde ist ungewöhnlich. Bestimmte Befunde sollten jedoch zeitnah ärztlich beurteilt werden.
Dazu gehören auseinanderweichende Wundränder, deutlich zunehmende Sekretion oder Blutung, eine sich ausbreitende Rötung und Überwärmung sowie eitriges oder unangenehm riechendes Sekret.
Auch zunehmende Schmerzen, eine neu auftretende ausgeprägte Schwellung oder Fieber sollten Anlass zur Rücksprache mit der behandelnden Praxis geben.
In solchen Situationen sollte nicht versucht werden, die Veränderung durch häufigeres Waschen oder eine intensivere Reinigung selbst zu behandeln. Entscheidend ist vielmehr, die Ursache festzustellen und gegebenenfalls gezielt zu behandeln.
Meine persönliche fachärztliche Einschätzung
Die heutige Evidenz spricht dafür, dass kurzes Duschen bei einer unkomplizierten, primär verschlossenen Operationswunde frühzeitig sicher möglich ist.
Eine starre Regel, nach der jede Operationswunde mehrere Tage vollständig trocken bleiben muss, erscheint deshalb nicht sinnvoll. Umgekehrt bedeutet dies nicht, dass jeder Patient nach 48 Stunden unabhängig vom Eingriff wieder uneingeschränkt duschen kann.
Für mich sind vor allem vier Fragen entscheidend: Welche Operation wurde durchgeführt? Wie wurde die Wunde verschlossen? Welche Verbandversorgung liegt vor? Sind Drainagen vorhanden?
Gerade die Drainageform muss berücksichtigt werden. Eine geschlossene Redon- oder Jackson-Pratt-Drainage stellt hinsichtlich der Körperpflege eine andere Situation dar als eine offene Penrose-Drainage.
Ebenso wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer kurzen Dusche und einem längeren Aufenthalt in Badewanne, Whirlpool oder Schwimmbecken. Eine Dusche kann früh möglich sein. Mit längerem Wasserkontakt sollte dagegen gewartet werden, bis die Operationswunden sicher und reizlos verheilt sind.
Nach größeren Eingriffen kommt ein weiterer Aspekt hinzu: die Sicherheit des Patienten. Nach einer Bauchdeckenstraffung, einem Bodylift oder einer vergleichbar umfangreichen Operation sollte die erste Dusche deshalb mit Unterstützung einer vertrauten Person erfolgen.
Eine gute postoperative Körperpflege bedeutet nicht, eine Operationswunde möglichst intensiv zu reinigen. Sie bedeutet, normale Hygiene und den Schutz des frisch operierten Gewebes sinnvoll miteinander zu verbinden.
Häufige Fragen zum Duschen nach einer plastischen Operation
Was soll ich tun, wenn mein Verband beim Duschen versehentlich nass geworden ist?
Ein nicht wasserfester, durchnässter Verband sollte nicht über längere Zeit feucht auf der Operationswunde verbleiben. Ob er unmittelbar gewechselt werden kann oder zunächst Rücksprache mit der behandelnden Praxis sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen Wundversorgung ab.
Bei einem wasserfesten Verband sollte insbesondere geprüft werden, ob Wasser unter die Klebefläche gelangt ist.
Was mache ich, wenn sich ein Steri-Strip an einer Ecke löst?
Ein leicht gelöster Rand bedeutet nicht, dass der gesamte Pflasterstreifen entfernt werden sollte. Der Steri-Strip sollte nicht eigenständig vollständig abgezogen werden, solange die übrige Fixierung sicher sitzt.
Löst er sich zunehmend oder ist unklar, ob die Wundränder weiterhin ausreichend unterstützt sind, sollte die behandelnde Praxis kontaktiert werden.
Darf ich eine feuchte Wundregion mit dem Föhn trocknen?
Ja. Ich empfehle dafür ausschließlich die Kaltstufe, ausreichend Abstand zur Haut und einen sanften Luftstrom.
Warme oder heiße Luft sollte vermieden werden. Nach einer Operation kann die Hautsensibilität vorübergehend vermindert sein, sodass Hitze nicht zuverlässig wahrgenommen wird und thermische Hautschäden entstehen können.
Was tun, wenn mir unter der Dusche plötzlich schwindelig wird?
Die Dusche sollte sofort beendet werden. Setzen oder legen Sie sich hin und vermeiden Sie einen Sturz.
Gerade nach größeren Operationen sollte deshalb bei den ersten Duschen eine vertraute erwachsene Person anwesend sein. Wiederholter oder ausgeprägter Schwindel sollte ärztlich abgeklärt werden.
Muss nach jeder Dusche ein neuer Verband angelegt werden?
Nicht grundsätzlich. Ob ein Verband weiterhin erforderlich ist, hängt vom Eingriff, vom Wundverschluss und von der jeweiligen Phase der Heilung ab.
Ein wasserfester Verband, Steri-Strips, chirurgischer Hautkleber und eine offen versorgte Wunde werden unterschiedlich gehandhabt. Maßgeblich ist deshalb die konkrete postoperative Anweisung.
Wann darf ich nach der Operation wieder ins Meer oder in den Pool?
Nicht allein der zeitliche Abstand zur Operation ist entscheidend. Die Operationswunde sollte vollständig geschlossen, trocken und reizlos verheilt sein. Es sollte keine Sekretion, offene Stelle oder andere Wundheilungsstörung mehr bestehen.
Nach größeren Straffungsoperationen kann dieser Zeitpunkt deutlich später erreicht werden als nach einem kleinen Eingriff.
Persönliche Beratung bei Hanseatic Facelift
Eine gute postoperative Nachbehandlung beginnt bereits vor der Operation. Dazu gehört auch die Frage, wie Operationswunden, Verbände, Drainagen und die tägliche Körperpflege in den ersten Tagen gehandhabt werden sollen.
Im persönlichen Beratungsgespräch bespreche ich deshalb nicht nur den Eingriff selbst, sondern auch die praktische Nachbehandlung. Nach der Operation werden diese Empfehlungen an den tatsächlichen Wund- und Heilungsverlauf angepasst.
Diese persönliche Beratung und individuelle Behandlungsplanung biete ich an meinen Praxisstandorten in Hamburg und Pinneberg an.
Medizinischer Hinweis
Dieser Beitrag dient der allgemeinen medizinischen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Untersuchung oder postoperative Anweisung.
Wann nach einer Operation geduscht, gebadet oder geschwommen werden darf, hängt vom Operationsverfahren, dem Wundverschluss, der Verbandversorgung, eventuell vorhandenen Drainagen und dem individuellen Heilungsverlauf ab.
Bei Wundöffnung, zunehmender Sekretion, ausgeprägter Rötung, stärkeren Schmerzen, Fieber oder anderen ungewöhnlichen Veränderungen sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
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