Schwarz-Weiß-Nahaufnahme von Lippen, Kinn und Schulter einer Frau

Warum werden Lippen im Alter dünner? Was sich anatomisch verändert

von Dr. med. Stephan Grzybowski, hanseatic-facelift

Autor: Dr. med. Stephan Grzybowski
Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie

Veröffentlicht: März 2023
Zuletzt medizinisch überprüft: September 2026

Mit zunehmendem Alter verändert sich die Lippe nicht nur an Volumen, sondern vor allem in ihrer Form und ihren Proportionen. Besonders an der Oberlippe wird häufig weniger Lippenrot sichtbar, während sich die Strecke zwischen Nasenbasis und Lippenrot verlängert. Die Lippe wirkt dadurch schmaler und flacher, obwohl ein einfacher Volumenverlust diese Veränderung nur zum Teil erklärt.

Auch die Beziehung zwischen Oberlippe und Zähnen verändert sich. Bei entspannter Lippenhaltung ist besonders bei jüngeren Erwachsenen häufig ein kleiner Anteil der oberen Schneidezähne sichtbar. Wie viel davon zu sehen ist, hängt von Lippenlänge, Zahnstellung und den individuellen Gesichtsproportionen ab. Mit zunehmendem Alter nimmt diese sichtbare Zahnfläche im Durchschnitt ab. Gleichzeitig können sich feine senkrechte Fältchen entwickeln und der Amorbogen an Definition verlieren.

Hinter diesem Erscheinungsbild stehen Veränderungen auf mehreren anatomischen Ebenen. Länge, Dicke und Projektion der Lippe verändern sich ebenso wie Haut, Bindegewebe und Muskulatur. Auch Zähne und Gesichtsskelett beeinflussen die Form der Mundregion.

MRT-Untersuchungen zeigen, dass die Oberlippe im höheren Lebensalter länger und dünner wird; zusätzlich kann das Weichteilvolumen abnehmen. Die sichtbare Verschmälerung lässt sich jedoch nicht allein durch einen Volumenverlust erklären. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Verlängerung, Ausdünnung und veränderter Projektion.

Für die Behandlungsplanung ist diese Unterscheidung wesentlich. Eine verlängerte Oberlippe benötigt ein anderes Konzept als eine Lippe mit verminderter Projektion. Veränderungen der Hautqualität wiederum lassen sich nicht allein durch zusätzliches Volumen korrigieren.

Was verändert sich an der Lippe selbst?

Besonders deutlich zeigt sich der Alterungsprozess häufig an der Oberlippe.

Der Hautanteil der Oberlippe – also die Strecke zwischen Nasenbasis und Lippenrot – verlängert sich. Gleichzeitig nimmt die Dicke der Lippe ab. Dadurch verschiebt sich das Verhältnis zwischen diesem Hautanteil und dem sichtbaren Lippenrot.

Das Vermilion, also das Lippenrot, erscheint schmaler. Die Lippe projiziert weniger nach vorne und kann sich am Übergang zum Lippenrot etwas nach innen drehen. Auch der Amorbogen wirkt mitunter flacher.

Weniger ausgeprägt werden häufig außerdem die sogenannten Philtrumsäulen. Gemeint sind die beiden feinen, leicht erhabenen Hautleisten, die das Philtrum – die mittige Rinne zwischen Nase und Oberlippe – seitlich begrenzen.

Zu diesen Formveränderungen kann ein tatsächlicher Verlust von Weichteilvolumen hinzukommen. Welche dieser Komponenten überwiegt, ist individuell unterschiedlich. Für die Behandlungsplanung ist deshalb weniger ein einzelner Alterungsmechanismus entscheidend als die konkrete Kombination der Veränderungen.

Was geschieht in Haut, Bindegewebe und Muskulatur?

Auch die einzelnen Bestandteile der Lippe verändern sich.

Histologische Untersuchungen zeigen altersabhängige Veränderungen der kollagenen Strukturen und des Hyaluronans in Haut und Lippenrot. Gleichzeitig verändert sich das elastische Fasernetz. Der M. orbicularis oris, der ringförmige Mundmuskel, wird dünner und verändert seine räumliche Ausrichtung.

Diese Vorgänge haben unterschiedliche Folgen. Eine Abnahme und Umstrukturierung kollagener Fasern vermindert die mechanische Festigkeit des Gewebes. Weniger Hyaluronan beeinflusst unter anderem dessen Fähigkeit, Wasser zu binden. Veränderungen des Mundringmuskels können dazu beitragen, dass die Lippe weniger nach vorne projiziert und das Lippenrot stärker nach innen orientiert erscheint.

Bei der Hautalterung sollte zwischen natürlichen biologischen Veränderungen und zusätzlichen äußeren Einflüssen unterschieden werden.

Die intrinsische Alterung bezeichnet die natürlichen Alterungsvorgänge, die im Laufe des Lebens unabhängig von äußeren Belastungen stattfinden. Die Haut wird allmählich dünner, trockener und weniger elastisch.

Hinzu kommt die extrinsische Alterung durch äußere Einflüsse. Besonders bedeutsam sind chronische UV-Strahlung und Rauchen.

Bei langjähriger UV-Schädigung werden die elastischen Fasern nicht einfach nur weniger. Das normalerweise fein organisierte Fasernetz verliert seine geordnete Struktur. Fasern werden fragmentiert und funktionieren zunehmend schlechter; zugleich lagert sich unregelmäßig verändertes elastisches Material in der Haut ab. Dieser typische Befund wird als solare Elastose bezeichnet.

Die Haut kann sich dadurch nach wiederholter Bewegung schlechter in ihre Ausgangsform zurückstellen. Sie verliert an Elastizität und entwickelt leichter bleibende Falten.

An der Oberlippe entstehen so unter anderem die charakteristischen feinen, senkrecht verlaufenden Linien, die häufig als Plisséfältchen oder – wegen ihres parallelen Verlaufs – als Barcode-Fältchen bezeichnet werden.

Der gelegentlich verwendete Begriff „Raucherfältchen“ ist dabei missverständlich. Rauchen kann ihre Ausbildung begünstigen, solche Fältchen treten jedoch ebenso bei Menschen auf, die nie geraucht haben.

Damit wird auch deutlich: Feine Linien um den Mund entstehen nicht aus demselben Mechanismus wie ein Verlust von Lippenvolumen.

Welche Rolle spielen Zähne und Gesichtsskelett?

Die Lippe liegt nicht isoliert im Gesicht.

Zähne, Oberkiefer und die tieferen Strukturen des Mittelgesichts bilden einen Teil ihres Stützgerüstes. Verändert sich dieses Gerüst, verändert sich auch die darüberliegende Weichteilkontur.

Mit zunehmendem Alter finden Umbauvorgänge am Gesichtsskelett statt. Gleichzeitig können sich Zahnstellung, Zahnhöhe oder Zahnersatz verändern. Zahnverlust kann die Unterstützung der Lippen zusätzlich vermindern.

Ein gut sichtbares Zeichen dieser Entwicklung ist die Beziehung zwischen Oberlippe und Frontzähnen. Während bei jüngeren Erwachsenen in entspannter Lippenhaltung häufig ein Teil der oberen Schneidezähne sichtbar ist, nimmt diese Sichtbarkeit mit zunehmender Länge der Oberlippe tendenziell ab.

Bei der ästhetischen Beurteilung sollte deshalb nicht nur die Lippe selbst betrachtet werden. Ihre Wirkung entsteht immer im Verhältnis zu Nase, Zähnen, Kinn und den übrigen Proportionen des unteren Gesichts.

Warum altern Lippen nicht bei jedem Menschen gleich?

Die beschriebenen Veränderungen treten weder in derselben Geschwindigkeit noch in derselben Ausprägung auf.

Ausgangsform und Proportionen der Lippen, Haut- und Gewebequalität, Geschlecht, Mimik, UV-Exposition und Rauchen spielen ebenso eine Rolle wie Zahn- und Kieferverhältnisse.

Eine bereits in jungen Jahren längere Strecke zwischen Nasenbasis und Lippenrot kann durch die altersbedingte Verlängerung stärker auffallen als bei einer ursprünglich kurzen Oberlippe. Eine von Natur aus kräftigere Lippe wiederum kann einen gewissen Volumenverlust optisch anders kompensieren als eine bereits schmale Lippe.

Es gibt deshalb keine einheitliche Form der „alternden Lippe“. Die individuelle Anatomie ist für die Behandlungsplanung wesentlich aussagekräftiger als das Lebensalter allein.

Ist eine dünner wirkende Lippe immer ein Volumenproblem?

Nein.

Eine Lippe kann tatsächlich an Volumen und Projektion verlieren. Sie kann aber ebenso schmaler erscheinen, weil sich der Hautanteil der Oberlippe verlängert hat, weniger Lippenrot sichtbar ist oder sich das Vermilion zunehmend nach innen orientiert.

Diese Veränderungen können auf den ersten Blick ähnlich wirken, erfordern jedoch nicht dieselbe Behandlung. Zusätzliches Volumen kann einen tatsächlichen Volumenverlust ausgleichen. Es verkürzt jedoch nicht die Strecke zwischen Nase und Lippenrot.

Die Behandlungsplanung sollte deshalb nicht mit der Frage beginnen:

„Wie viel Filler braucht die Lippe?“

Sondern:

„Welche anatomische Veränderung lässt die Lippe schmaler wirken?“

Welche Behandlung passt zu welchem Befund?

Zwischen den einzelnen Verfahren gibt es Überschneidungen. Die folgende Übersicht versteht sich deshalb nicht als starre Zuordnung, sondern als Orientierung.

AusgangsbefundMögliche Verfahren und Einordnung
Verminderte Projektion, weniger klare Kontur oder geringere sichtbare Höhe des LippenrotsHyaluronsäure oder – in ausgewählten Fällen – Eigenfett.
Beide können Volumen ergänzen, unterscheiden sich jedoch in Präzision, Steuerbarkeit und Vorhersagbarkeit.
Verlängerte Strecke zwischen Nasenbasis und Lippenrot mit wenig sichtbarem LippenrotLippenlift.
Bei einem zusätzlichen eigenständigen Volumendefizit können ergänzend Hyaluronsäure oder Eigenfett infrage kommen. Nur ein Lippenlift verkürzt den Hautanteil der Oberlippe.
Volumenverlust der Lippe und der angrenzenden MundregionEigenfett und/oder Hyaluronsäure.
Eigenfett eignet sich besonders für flächigere Weichteildefizite; Hyaluronsäure erlaubt eine sehr gezielte Kontur- und Volumenkorrektur.
Nachlassende Hautqualität und periorale WeichteildefiziteEigenfett, ausgewählte Biostimulatoren, PRP/PRF oder Microneedling.
Welche Methode geeignet ist, hängt davon ab, ob vor allem ein Weichteildefizit, eine verminderte Hautqualität oder eine Kombination beider Veränderungen vorliegt.
Feine Plissé- beziehungsweise Barcode-FältchenEigenfett, ausgewählte Biostimulatoren, PRP/PRF oder Microneedling.
Die Auswahl richtet sich nach Tiefe und Ausprägung der Fältchen, der Hautqualität und möglichen zusätzlichen Weichteildefiziten.

Mehrere Veränderungen können gleichzeitig bestehen. Dann kann auch eine Kombination verschiedener Verfahren sinnvoll sein.

Wann ist Hyaluronsäure sinnvoll?

Hyaluronsäure eignet sich besonders dann, wenn Projektion, Kontur oder Volumen gezielt verändert werden sollen.

Ihre Stärke liegt in der präzisen Dosierbarkeit. Kleine Mengen können an definierten Stellen eingebracht werden, ohne zwangsläufig die gesamte Lippe deutlich zu vergrößern.

Für Hyaluronsäurefiller besteht im Vergleich zu vielen anderen ästhetischen Lippenbehandlungen eine relativ gute klinische Evidenz. Randomisierte Studien und systematische Auswertungen bestätigen ihre Wirksamkeit zur Lippenaugmentation. Zu den häufigeren vorübergehenden Reaktionen gehören Schwellung, Druckempfindlichkeit, Hämatome und lokale Verhärtungen.

Gerade bei einer älter werdenden Lippe sollte die Behandlung jedoch nicht automatisch auf möglichst viel Fülle ausgerichtet sein.

Liegt die wesentliche Veränderung in einer verlängerten Oberlippe, kann zusätzliches Volumen diese Proportion nicht korrigieren. Bei größeren Mengen kann vielmehr die Projektion zunehmen, während die verlängerte Oberlippe bestehen bleibt.

Wann ist ein Lippenlift die anatomisch passendere Behandlung?

Ein Lippenlift verfolgt ein anderes Prinzip als ein Filler.

Beim subnasalen Lippenlift wird ein schmaler Hautanteil unmittelbar unterhalb der Nase entfernt. Dadurch verkürzt sich die Strecke zwischen Nasenbasis und Lippenrot.

Die Wirkung beschränkt sich jedoch nicht auf diese Verkürzung. Durch die veränderte Geometrie der Oberlippe wird mehr des vorhandenen Lippenrots sichtbar. Die sichtbare Vermilionhöhe nimmt zu, ohne dass der Lippe zusätzliches Füllmaterial eingebracht werden muss. Gleichzeitig kann wieder mehr von den oberen Schneidezähnen sichtbar werden.

Systematische Untersuchungen bestätigen diese Veränderungen: Nach Lippenlift-Verfahren nehmen Philtrumlänge und Hautanteil der Oberlippe ab, während sichtbare Vermilionhöhe und Sichtbarkeit der oberen Schneidezähne zunehmen.

Das Lippenlift erzeugt also nicht in erster Linie neues Volumen. Es verändert die Proportion der Oberlippe und macht vorhandenes Lippenrot stärker sichtbar.

Darin liegt seine besondere Stärke bei einer altersbedingt verlängerten Oberlippe.

Besteht zusätzlich ein eigenständiges Volumen- oder Konturdefizit, können nach individueller Beurteilung ergänzende volumengebende Verfahren infrage kommen.

Welche Rolle spielt Eigenfett?

Eigenfett, auch Lipofilling genannt, kann im Gesicht sowohl zur Behandlung der Lippe selbst als auch zum Ausgleich angrenzender Weichteildefizite der Mundregion eingesetzt werden. Weitere Informationen zum Verfahren finden Sie auf meiner Seite zum Lipofilling im Gesicht.

Seine Stärke besteht darin, dass mit körpereigenem Gewebe nicht nur einzelne Konturen, sondern auch größere und flächigere Volumendefizite behandelt werden können. Gerade bei einer allgemeinen Volumenabnahme des unteren Gesichts kann dies von Vorteil sein.

Auch eine Lippenaugmentation mit Eigenfett ist grundsätzlich möglich.

Allerdings lässt sich gerade an der Lippe weniger zuverlässig vorhersagen, welcher Anteil des eingebrachten Fettes nach der Einheilung langfristig erhalten bleibt. Klinische Untersuchungen beschreiben in dieser sehr beweglichen Region eine höhere Resorption als in vergleichsweise ruhigen Bereichen wie Wange oder Kinn.

Die ausgeprägte Beweglichkeit der Lippen und die damit verbundenen mechanischen Belastungen werden als mögliche Einflussfaktoren diskutiert. Ein direkter ursächlicher Zusammenhang allein mit der Aktivität des M. orbicularis oris ist jedoch nicht belegt.

Auch Entnahmetechnik, Aufbereitung, Größe der transplantierten Fettpartikel, Injektionstechnik, Durchblutung des Empfängergewebes und individuelle Heilung beeinflussen, wie viel Fett dauerhaft einheilt.

Die Stärke des Eigenfetts liegt deshalb insbesondere in einer umfassenderen Weichteilbehandlung. Für die millimetergenaue Definition von Lippenrand, Amorbogen oder einzelnen Konturpunkten lässt sich Hyaluronsäure meist präziser steuern.

Welche Rolle spielen Biostimulatoren?

Biostimulatoren verfolgen ein anderes Ziel als klassische Filler.

Kollagenstimulierende Substanzen sollen biologische Umbauprozesse im Gewebe anregen und dadurch Eigenschaften von Haut und Weichteilen beeinflussen. Zu den etablierten Wirkstoffgruppen gehört unter anderem Poly-L-Milchsäure (PLLA).

Systematische Übersichtsarbeiten zeigen für PLLA- und andere biostimulierende Verfahren Verbesserungen unter anderem von Hautelastizität, Falten und Gesichtskontur. Gleichzeitig unterscheiden sich Produkte, Indikationen und Behandlungsprotokolle deutlich voneinander. Die wissenschaftliche Evidenz ist deshalb nicht für jedes Präparat und jede Gesichtsregion gleichermaßen übertragbar.

Für die Mundregion ist eine klare anatomische Trennung erforderlich:

Eine biostimulierende Behandlung der Gewebe um den Mund ist nicht gleichbedeutend mit einer direkten Injektion in das Lippenrot.

Auch neuere kollagenstimulierende Präparate auf Basis von Poly-L-Milchsäure erweitern inzwischen das Behandlungsspektrum. Zu dieser Gruppe gehören unter anderem Präparate mit veränderter Partikel- beziehungsweise Mikrosphärentechnologie.

Solche Weiterentwicklungen sind wissenschaftlich interessant. Aus guten Ergebnissen in anderen Gesichtsregionen lässt sich jedoch nicht automatisch eine gesicherte Anwendung an der Lippe ableiten.

Bei Behandlungen im Bereich um den Mund müssen deshalb Präparat, vorgesehene Injektionsebene, anatomische Region, verfügbare Evidenz und Zulassungsstatus jeweils gesondert beurteilt werden.

Was können PRP und PRF leisten?

PRP und PRF werden aus patienteneigenem Blut gewonnen.

Ihr Schwerpunkt liegt weniger im reproduzierbaren Aufbau von Lippenvolumen als in regenerativen Effekten auf Haut und Bindegewebe.

Systematische Übersichten zeigen die konsistentesten Hinweise auf Verbesserungen von Hautdicke und Elastizität. Die Ergebnisse zu Falten und Hauttextur sind weniger einheitlich.

PRP und PRF können deshalb bei ausgewählten Veränderungen der Haut um den Mund eine ergänzende Rolle spielen. Sie ersetzen jedoch keine gezielte Volumenkorrektur und verändern auch nicht die Länge der Oberlippe.

Welche Rolle spielt Microneedling?

Microneedling richtet sich ebenfalls in erster Linie an die Haut.

Durch zahlreiche kontrollierte Mikroverletzungen werden Reparatur- und Umbauprozesse angeregt. Das Verfahren kann deshalb insbesondere bei feinen Plisséfältchen und einer unregelmäßigen Hauttextur interessant sein.

Systematische Untersuchungen zur Gesichtsverjüngung zeigen Verbesserungen von Falten und Hauttextur bei insgesamt hoher Patientenzufriedenheit. Gleichzeitig unterscheiden sich Behandlungsprotokolle und Messmethoden zwischen den Studien erheblich.

Microneedling verändert weder das eigentliche Lippenvolumen noch die Länge der Oberlippe. Es gehört deshalb zu einem anderen Teil des Behandlungsspektrums als Filler, Eigenfett oder Lippenlift.

Meine persönliche fachärztliche Einschätzung

Bei einer im Alter schmaler wirkenden Lippe halte ich die Frage nach der gewünschten Füllmenge häufig für den falschen Ausgangspunkt.

Zunächst muss geklärt werden, welcher Teil der Anatomie sich verändert hat.

Ist tatsächlich Volumen oder Projektion verloren gegangen? Ist weniger Lippenrot sichtbar, weil sich der Hautanteil der Oberlippe verlängert hat? Besteht zusätzlich ein Volumendefizit der angrenzenden Weichteile? Oder stehen vor allem Veränderungen der Hautqualität und feine Plisséfältchen im Vordergrund?

Erst daraus ergibt sich ein stimmiges Behandlungskonzept.

Hyaluronsäure erlaubt eine sehr präzise Volumen- und Konturkorrektur. Eigenfett kann ebenfalls an der Lippe eingesetzt werden und besitzt besondere Vorteile bei flächigeren Weichteildefiziten, zeigt in der beweglichen Lippenregion jedoch eine weniger vorhersehbare Einheilung.

Ein Lippenlift kann eine verlängerte Oberlippe unmittelbar verkürzen und gleichzeitig mehr des vorhandenen Lippenrots sichtbar machen. Diesen Effekt kann ein Filler nicht erzeugen.

Biostimulatoren, PRP beziehungsweise PRF und Microneedling erweitern die Möglichkeiten dort, wo vor allem Haut- und Gewebequalität behandelt werden sollen.

Das Ziel sollte aus meiner Sicht nicht darin bestehen, eine älter gewordene Lippe möglichst stark zu vergrößern.

Eine überzeugende Behandlung beginnt mit der Anatomie – nicht mit dem verfügbaren Produkt.

Häufige Fragen zur Alterung und Behandlung der Lippen

Warum können Plissé- oder Barcode-Fältchen bestehen bleiben, obwohl die Lippe bereits mit Hyaluronsäure behandelt wurde?

Weil Lippenvolumen und Hautqualität zwei unterschiedliche Aspekte sind.

Ein Filler kann Projektion und Kontur der Lippe verbessern. Feine vertikale Linien entstehen dagegen wesentlich in der Haut und durch die wiederholte Bewegung der Mundregion.

Werden diese Fältchen vor allem durch Veränderungen der Hautstruktur geprägt, lässt sich mit zusätzlichem Lippenvolumen nur begrenzt Einfluss nehmen. Dann stehen eher hautbezogene Verfahren im Vordergrund.

Muss die Unterlippe automatisch mitbehandelt werden, wenn die Oberlippe korrigiert wird?

Nein.

Ober- und Unterlippe altern nicht zwangsläufig im gleichen Verhältnis. Auch ihre natürliche Form und ihr Volumen unterscheiden sich.

Eine Behandlung sollte deshalb keinem festen Verhältnis oder Schema folgen. Entscheidend ist, ob an der jeweiligen Lippe tatsächlich ein eigenständiger Befund besteht und wie Ober- und Unterlippe miteinander sowie mit den übrigen Gesichtsproportionen harmonieren.

Können frühere Fillerbehandlungen die Beurteilung der natürlichen Lippenanatomie erschweren?

Ja.

Hyaluronsäure kann abhängig von Produkt, Injektionsebene und Menge länger im Gewebe verbleiben, als äußerlich erkennbar ist. Frühere Behandlungen können dadurch Proportionen verändern oder einzelne Gewebeschichten anders erscheinen lassen.

Bei unklaren Befunden kann eine sonografische Untersuchung mit hochauflösendem Ultraschall helfen, vorhandene Hyaluronsäuredepots zu erkennen.

Ein besonderer Vorteil von Hyaluronsäurefillern besteht darin, dass sie mit Hyaluronidase wieder abgebaut werden können. Hyaluronidase ist ein Enzym, das Hyaluronsäure spaltet und dadurch unerwünschte oder ungünstig gelegene Fillerdepots ganz oder teilweise reduzieren kann.

Ob vorhandene Hyaluronsäure belassen, teilweise reduziert oder vor einer weiteren Behandlung vollständig aufgelöst werden sollte, muss anhand des jeweiligen Befundes entschieden werden.

Kann Eigenfett in der Lippe dauerhaft erhalten bleiben?

Ein Teil des transplantierten Fettes kann dauerhaft einheilen.

Wie groß dieser Anteil ist, lässt sich jedoch nicht exakt vorhersagen. Gerade die bewegliche Lippenregion zeigt in klinischen Untersuchungen eine höhere Resorption als weniger mobile Gesichtspartien.

Nach einer Eigenfettbehandlung kann deshalb eine gewisse Unterkorrektur verbleiben oder später eine weitere Behandlung erforderlich werden.

Kann ein Lippenlift Mimik oder Mundschluss verändern?

Ein Lippenlift verändert die Anatomie der Oberlippe und damit auch ihre Beziehung zu Nase und Zähnen.

Bei sorgfältiger Indikationsstellung und angemessener Resektion sind relevante dauerhafte funktionelle Einschränkungen nicht typisch. Dennoch müssen Länge, Beweglichkeit, Zahnsichtbarkeit und Mundschluss bereits vor der Operation sorgfältig beurteilt werden.

Eine möglichst starke Verkürzung ist kein Qualitätsmerkmal.

Können Zahnbehandlungen oder neuer Zahnersatz das Erscheinungsbild der Lippen verändern?

Ja.

Die Lippen liegen den Frontzähnen und dem Kiefer unmittelbar auf. Veränderungen von Zahnstellung, Zahnhöhe oder der nach vorne gerichteten Abstützung können deshalb auch die Lippenkontur beeinflussen.

Bei größeren Zahnbehandlungen oder einer neuen Versorgung mit Zahnersatz kann es sinnvoll sein, eine geplante ästhetische Lippenbehandlung erst nach Abschluss dieser Behandlung endgültig zu beurteilen.

Kann Sonnenschutz verhindern, dass die Lippen im Alter dünner werden?

Nein. Sonnenschutz kann die natürliche Alterung der Lippen nicht verhindern.

Er kann jedoch den zusätzlichen Anteil der lichtbedingten Hautalterung reduzieren. Chronische UV-Strahlung fördert Veränderungen von Kollagen und elastischen Fasern und damit auch Falten und Elastizitätsverlust der Haut um den Mund.

Die altersbedingte Verlängerung der Oberlippe, Veränderungen der Muskulatur oder des Gesichtsskeletts werden dadurch jedoch nicht verhindert.

Persönliche Beratung bei Hanseatic Facelift

Welche Veränderung eine im Alter schmaler wirkende Lippe tatsächlich verursacht, lässt sich am zuverlässigsten im Rahmen einer persönlichen Untersuchung beurteilen.

Dabei betrachte ich nicht nur das Lippenvolumen. Berücksichtigt werden insbesondere die Strecke zwischen Nasenbasis und Lippenrot, die sichtbare Höhe des Lippenrots, Projektion und Kontur, die Haut und Weichteile um den Mund sowie die Beziehung zwischen Lippen, Zähnen und den übrigen Proportionen des unteren Gesichts.

Auf dieser Grundlage kann besprochen werden, ob eine zurückhaltende Behandlung mit Hyaluronsäure, Eigenfett, ein Lippenlift oder gegebenenfalls ein ergänzendes Verfahren zur Verbesserung von Haut- und Gewebequalität sinnvoll erscheint.

Beratungstermine sind in Hamburg und Pinneberg möglich.

Medizinischer Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen medizinischen Information und ersetzt keine persönliche fachärztliche Untersuchung oder individuelle Behandlungsplanung.

Bei Injektionsbehandlungen müssen Präparat, anatomische Region, Injektionsebene, vorgesehener Anwendungsbereich und individuelle Risikofaktoren berücksichtigt werden. Anwendungen außerhalb der jeweils vorgesehenen Produktindikation erfordern eine gesonderte ärztliche Indikationsstellung und Aufklärung.

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